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CorelDRAW – Ein alter Freund verlässt 2019 die Agentur

braindinx CorelDRAW

Ich muss zugeben, für mich ist der Schritt nicht leicht gewesen. Immerhin hat mich CorelDraw seit fast 20 Jahren begleitet.

Ich habe Corel vor vielen Jahren als Aushilfe kennengelernt. Die Software hat mich durch meine Ausbildung und die ersten Jahre meiner beruflichen Laufbahn begleitet. Auch Ivonne und Rabia haben einen ähnlichen Hintergrund. Ich glaube, ich kann auch für die beiden sprechen, wenn ich sage: Für uns geht mit der endgültigen Verabschiedung auch ein bisschen Wehmut einher.

Die CorelDraw Graphics Suite ist eine insbesondere auf Windows-Systemen verbreitete Grafik- und Bildbearbeitungs-Software der Corel Corporation. Die neuste Version ist nun aber auch plattformübergreifend für Mac und Windows erhältlich.

Jetzt werden mit Sicherheit viele von euch sagen: “Was? CorelDraw? Das ist doch keine professionelle Grafikanwendung. Mit Corel kann man doch gar nicht professionell arbeiten.”

Das habe ich schon hunderte Male gehört. In der Berufsschule, im Netzwerk und von manch einem Zulieferer. Das ist völliger Quatsch. Spätestens seit der Version X5. Mit dieser Version wurde das Farbmanagement vollständig neu programmiert und entsprach nun dem weltweiten Industriestandard, der weitgehend von Adobe geprägt wurde.

Canon oder Nikon?

Genau so kann man Gespräche darüber führen, ob Canon oder Nikon die besseren Spiegelreflexkameras herstellen. Wenn die Diskussion dazu mal wieder entfacht, dann sind die Bilder scheinbar nicht so spannend wie das Werkzeug. Der Profi wird ohnehin zu Hasselblad greifen auf die Lichtsetzung achten und ein tolles Bild erstellen. Darüber spricht man dann – über das Bild, nicht die Kamera.

Nikon und Canon sind schöne Beispiele für Branding und Kunden die eine Community bilden. Garanten für tolle Bilder sind sie beide nicht, denn im Endeffekt können die Modelle fast aller Hersteller das gleiche. Trotzdem gibt es unendlich viele, schlechte Fotos.

Was ich eigentlich sagen möchte ist, dass die Ergebnisse zählen und nicht die Werkzeuge. Es geht um Kreativität, Individualität, Konzepte, Visionen, Strukturen, Analyse, Empathie und Zuverlässigkeit.

David gegen Goliath

Für mich war CorelDRAW ein treuer Wegbegleiter. Ich habe über die Jahre  hunderte von Layouts, Logos und ganze Corporate Designs mit Corel entwickelt und realisiert. Als Unternehmen war die Software in den ersten Jahren auch eine günstige Alternative, abseits der Branchenstandards.

Und wenn ich ehrlich bin, dann war es auch ein bisschen Rebellion. Das “David gegen Goliath” Prinzip war wohl auch dabei.

Es gibt einige Vorteile die Corel mit sich bringt und ich bin kein Freund davon, den Branchenstandard zu wählen, weil es der Branchenstandard ist. Aber als Unternehmer muss man sich auch andere Fragen stellen. Was ist der Preis dieser Rebellion? Wer zahlt ihn? Und welche Vorteile bringt uns der Weg abseits des Standards. Dagegen sein aus Prinzip, ist genau so falsch wie blindes Vertrauen in die Herde.

Das ich heute diesen Beitrag schreibe, sollte also auch ein kleiner Beweis dafür sein, das man mit der CorelDRAW eine professionelle Grundlage und sogar ein Unternehmen aufbauen kann.

Warum dann das Aus für CorelDRAW?

Die Antwort darauf ist recht einfach. Es ist eine pragmatische, verantwortungsvolle und unternehmerisch gereifte Entscheidung. Wir haben in den letzten Jahren große Entwicklungen durchlaufen. Personell, konzeptionell und auch strukturell. Wir sind als Agentur gereift, könnte man sagen.

1. Verantwortung

Wir sind Ausbildungsbetrieb. Wir unterstützen junge Menschen auf dem Weg in ihr Berufsleben. Es ist unsere Verantwortung so auszubilden, dass jeder eine Chance in der Branche hat. Nicht nur im Bezug auf Fähigkeiten und Kenntnisse, sondern eben auch im Umgang mit der Adobe Creative Suite. Ganz unabhängig davon, dass wir natürlich immer mit dem Ziel der Übernahme ausbilden. Natürlich gilt der Anspruch nicht nur für unsere Auszubildenden, sondern für das gesamte Team.

2. Wachstum

Unser Team wächst stetig und wir können immer mehr, tolle und kreative Menschen für die Agentur gewinnen. Die Adobe Creative Suite stellt sicher, dass die Integration ins Team schnell und problemlos gelingt. Natürlich gibt es noch weitere Faktoren – aber die Software ist keine Hürde mehr. Das freut besonders unseren Webdeveloper Tim Haag.

3. Tools und Workflow

Die Werkzeuge, die uns mit Photoshop, Illustrator und InDesign an die Hand gegeben werden, sind einfach zu gut.

Man spürt die Erfahrung. Es ist alles durchdachter und ausgereift. Alles greift ineinander und setzt sich logisch fort. Ganz zu schweigen von einer riesigen Community, Foren, Videos Erweiterungen und Vorlagen.

Das Tool, das mich wirklich abgeholt hat (es sind noch viele mehr) aber wenn ich nur eines nennen soll: Das Adobe Illustrator CC 2019 Shape Builder Tool.

Hier sind noch ein paar Tool in der kurzen Vorstellung:

4. Kosten

Natürlich ist es auch eine Kostenfrage. Der Trend in allen Bereichen ist heute SaaS – Software as a Service. Auch Adobe hat hier vor einiger Zeit umgestellt. Corel war immer auch die günstige Alternative. Das gilt so heute nicht mehr. Ich verstehe viele Modelle der Preisgestaltung bei Adobe bis heute nicht. Es ist teilweise frustrierend. Aber der Abstand ist so klein geworden, dass auch dieses Argument nicht mehr greift.

Eine enorme Herausforderung

Die Designsoftware im Agenturalltag zu wechseln, ist eine enorme Herausforderung. Natürlich leidet die Produktivität in den ersten Wochen und Monaten. Den richtigen Zeitpunkt gibt es für einen solchen Einschnitt auch nicht wirklich. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen den Programmen. Es geht einher mit dem Suchen von Tools und dem Lernen von Shortcodes.

Aber wir merken schon jetzt, dass sich die Umstellung auszahlt und es das Risiko wert war den Schritt zu gehen.

Im Ergebnis, ist es ein optimierter Workflow, Werkzeuge die uns ganz erheblich unterstützen und die Arbeit erleichtern. Das sind Möglichkeiten die es vorher in der Form nicht gab.

Ein schleichender Ausstieg

Der Wechsel zur Adobe Creative Suite kommt natürlich nicht plötzlich. Es ist das Ergebnis einer schrittweisen Umstellung. Gestartet ist es mit der erstmaligen Nutzung von Adobe Lightroom zum Start der Agentur 2015, ein fantastisches Programm für die Retusche.

Wenige Zeit später folgte Photoshop und die Umstellung auf ein Abonnement bei Adobe.

2019 folgte dann in letzter Konsequenz die Umstellung auf die Creative Cloud und der komplette Wechsel der Software zum Start des Lehrjahres 2019/20.

Wir sind sehr froh, dass wir Menschen an unserer Seite haben, die den Prozess begleiten und unterstützen.

Vor wenigen Tagen gab es eine intensive Inhouse Schulung von Patrick Buchta.

Danke alter Freund

Corel Draw hat uns viele Jahre lang gute Dienste geleistet. Es ist die Verabschiedung eines guten, alten Freundes in den Ruhestand. Das gilt jedenfalls für einen Teil des Teams.

Wir werden uns auch 2020 noch begegnen, wenn wir auf unserem Server durch die Archive streifen.

Danke CorelDRAW, es war eine schöne Zeit mit dir!